Mein Alltag · Was ich beim Dehnen übersehen habe
7 Dinge, die ich über das Dehnen gelernt habe, nachdem ich es vier Monate falsch gemacht habe
Ein Handtuch, zwei Yoga-Gurte und jede Menge gespeicherte Videos. Ich habe wirklich gedehnt. Was mir fehlte, war der Blick auf ein paar entscheidende Details.
Donnerstag, 22:40 Uhr. Ich saß mit meinem Handtuch da, als mein Mann im Türrahmen stehen blieb. Ein Glas Wasser in der Hand.
„Du machst das seit Monaten. Und es wird nicht besser, oder?“
Ich wollte widersprechen. Aber am nächsten Morgen würde ich wieder vor den ersten Schritten bis drei zählen und es „Einlaufen“ nennen.
Nach Wochen Wartezeit bekam ich meinen Termin bei der Physiotherapeutin. Diese sieben Dinge habe ich aus der Zeit mitgenommen: worauf ich beim Dehnen achten muss, warum meine Hilfsmittel mich ausgebremst haben und was ich heute morgens anders mache.
Ich hatte mich mit etwas abgefunden, das ich noch gar nicht verstanden hatte.
Ich bin vierundvierzig und arbeite als Homeoffice-Koordinatorin. Seit drei Jahren sitze ich acht Stunden am Tag vor dem Rechner.
Als das Ziehen vom unteren Rücken über das Gesäß ins Bein kam, hatte ich meine Erklärung deshalb schnell gefunden. Das viele Sitzen. Und vermutlich das Alter.
Auch für die schmerzhaften ersten Schritte hatte ich ein Wort: „Einlaufen“. Als wäre das morgens eben nötig, ungefähr so wie Kaffee machen.
Ich zählte bis drei, stand auf und machte weiter. Der Begriff machte es leichter, das Ganze hinzunehmen.
Beim Termin merkte ich, wie wenig meine eigene Erklärung eigentlich erklärte. Ich wusste, wie lange ich saß, aber nicht, ob ich meine Übungen so ausführte, wie sie gedacht waren.
Mein erstes Aha: Eine plausible Erklärung ist noch kein genauer Blick auf das Problem.
Ich kümmerte mich abends um einen Moment, der morgens stattfand.
Vier Monate lang gehörte das Dehnen zu meinem Abend. Erst den Tag erledigen, dann das Handtuch holen und eines der gespeicherten Videos öffnen.
Mein schwierigster Moment lag aber am anderen Ende des Tages. Direkt nach dem Aufwachen, bevor ich überhaupt richtig aufgestanden war.
Da saß ich auf der Bettkante und wartete. Eins, zwei, drei. Dann die ersten Schritte.
Ich hatte meine Übung zwar im Kalender untergebracht, aber nicht in diesem Moment. Morgens lief alles weiter wie zuvor.
Abends zu dehnen war deshalb nicht grundsätzlich falsch. Für meinen Alltag war es aber ein wichtiger Unterschied, die Dehnung schon vor dem ersten Schritt einzuplanen.
Heute nehme ich mir dafür dreißig Sekunden im Bett. Ich muss mich nicht später am Tag daran erinnern, denn das Aufstehen ist ohnehin jeden Morgen dran.
Mein zweites Aha: Eine Routine braucht einen passenden Platz im Tag.
Ich achtete auf meinen Rücken und übersah die Stellung meines Fußes.
Bei der Physiotherapeutin ging es auch um den Piriformis. Ein kleiner Muskel tief im Gesäß, in dessen Nähe der Ischiasnerv verläuft.
Er hilft dabei, den Oberschenkel nach außen zu drehen. Außenrotator heißt das. Den Begriff hatte ich vorher noch nie gehört.
Ich hatte beim Dehnen immer darauf geachtet, wo es zog. Ob sich dabei mein Bein mitdrehte und der Fuß nach außen kippte, hatte ich kaum beachtet.
Genau das wurde für mich zum wichtigen Unterschied: Die Stellung gehört zur Übung. Es reicht nicht, ungefähr dieselbe Haltung wie im Video einzunehmen und dann kräftig am Handtuch zu ziehen.
Ein nach außen gedrehter Fuß beweist allerdings nicht, dass der Piriformis einen Nerv bedrängt. So einfach lässt sich die Ursache nicht an der Fußstellung ablesen.
Mein drittes Aha: Mehr Zug gleicht eine unpassende Position nicht aus.
Anwendung und Bilder auf der Produktseite
Meine Gurte konnten ziehen, aber ich musste die Position selbst halten.
Ich hatte zwei Yoga-Gurte gekauft. Dazu das Handtuch, mit dem alles angefangen hatte, und die Videos auf meinem Handy.
An Auswahl fehlte es also nicht. Trotzdem blieb bei meiner Ausführung dieselbe Aufgabe: ziehen und gleichzeitig darauf achten, dass der Fuß nicht nach außen wegkippte.
Ein Handtuch bildet keine geformte Tasche um den Fuß. Bei meinem Gurt hing die Position ebenfalls davon ab, wie ich ihn anlegte und den Zug verteilte.
Dasselbe Video noch einmal anzuschauen, änderte daran nichts. Ich musste die Haltung weiterhin selbst organisieren, während ich eigentlich dehnen wollte.
Handtuch und Gurt sind deshalb nicht grundsätzlich unbrauchbar. Ich bekam damit aber nicht zuverlässig die Position hin, die ich halten wollte.
So habe ich es für mich zusammengefasst: „Ich habe die richtige Übung gemacht. Aber mit dem falschen Werkzeug.“
Mein viertes Aha: Das Hilfsmittel muss zur eigenen Anwendung passen.
Die Übung musste einfacher werden, damit sie selbstverständlich wurde.
Für morgens wollte ich etwas, das ohne lange Vorbereitung funktioniert. Kein Einfädeln, kein Klettverschluss und kein Gurt, den ich fest in der Hand zusammenknüllen muss.
Das Werkzeug, das ich heute nutze, heißt STRETCH PRO. Es hat eine feste, glatte Stange für beide Hände, ein breites Stoffband und unten eine Stofftasche für den Fuß.
Mein Fuß steckt in dieser Tasche. Wenn ich die Stange zu mir ziehe, nimmt der Stoff die Zehen Richtung Schienbein mit.
Die Stange halte ich mit beiden Händen; wie stark ich ziehe, dosiere ich selbst. Festhalten muss ich sie natürlich, aber ich brauche keinen schmalen Gurt festzukrallen.
Ich bleibe dabei im Bett. Danach rolle ich das Band um die Stange und lege es weg.
Für mich passt das in weniger als eine Minute. Es ist kein eigener Programmpunkt mehr, für den ich mich abends noch aufraffen muss.
Mein fünftes Aha: Weniger Vorbereitung macht regelmäßiges Anwenden leichter.
So sehen Fußtasche, Band und Stange aus
Die wichtigste Veränderung lässt sich in einem Satz erzählen.
„Ich zähle nicht mehr bis drei.“
Das klingt klein. Für mich beschreibt es aber genau den Unterschied zwischen damals und heute.
Früher gehörte dieses kurze Warten zum Aufstehen. Ich nannte es „Einlaufen“, als hätte mein Morgen eben diese zusätzliche Aufgabe bekommen.
Heute nutze ich STRETCH PRO dreißig Sekunden im Bett, bevor ich den ersten Schritt mache. Dann stehe ich auf.
Mehr möchte ich daraus auch nicht machen. Ich habe keinen neuen Körper bekommen und arbeite weiterhin im Homeoffice.
Aber der Morgen, an dem ich meine Veränderung bemerke, ist ein ganz gewöhnlicher Morgen. Kein Vorführen einer besonders tiefen Dehnung, kein Vergleich mit jemandem aus einem Video.
Für mich zählt, dass dieses Zählen nicht mehr dazugehört. Dass Aufstehen wieder weniger Aufmerksamkeit braucht.
Mein sechstes Aha: Entscheidend war für mich der Alltag nach der Übung.
Ich hatte viele Einzelkäufe gesehen, aber nie meine ganze Rechnung.
Vor dem Kauf habe ich grob zusammengerechnet, was im Jahr davor zusammengekommen war. Nicht auf den Cent genau. Eher so, wie man Belege und Bestellungen noch im Kopf hat.
Gurte und Hilfsmittel, Zuzahlungen, Schmerzmittel, Wärmepflaster und Einlagen. Jeder Posten war für sich irgendwie nachvollziehbar gewesen.
| Posten | Ungefähr |
|---|---|
| Gurte und Hilfsmittel | 60 € |
| Physio-Zuzahlungen | 180 € |
| Schmerzmittel und Wärmepflaster | 90 € |
| Einlagen | 200 € |
Das macht die Physiotherapie nicht überflüssig. Gerade dort habe ich verstanden, worauf ich bei meiner Ausführung achten muss.
Ich wollte nur nicht noch etwas kaufen, das anschließend neben den beiden Gurten liegt. Deshalb waren die dreißig Tage zum Ausprobieren für mich wichtig, ausdrücklich auch nach Benutzung.
Heute würde ich STRETCH PRO wieder kaufen. Weil ich es tatsächlich in meinem Morgen benutze, statt mir nur vorzunehmen, irgendwann mehr zu dehnen.
Mein siebtes Aha: Für mich zählt, ob ein Kauf im Alltag ankommt.
Ich hätte weiter jeden Abend mein Handtuch holen und morgens bis drei zählen können.
Oder ich probiere einen Monat lang aus, ob eine andere Handhabung besser in meinen Alltag passt. Ich bin froh, dass ich es ausprobiert habe.
— Ingrid