Gesundheitsreport

Sturzprävention

Physiotherapeutin warnt: „Der Grund, warum Senioren stürzen, steckt nicht im Kopf — sondern im Fuß“

Rund 30 % aller Deutschen über 65 stürzen mindestens einmal pro Jahr. Anna Berger, leitende Physiotherapeutin einer geriatrischen Rehaklinik, behandelt seit 14 Jahren Sturzpatienten — und sagt: „In fast jedem Fall finde ich dasselbe Problem. Und es sitzt nicht dort, wo die meisten es vermuten.“

Älterer Mann greift sich an die schmerzende Wade
Wadenschmerzen gehören zu den häufigsten Vorboten eines Sturzes.

„Ich schaue nicht auf den Kopf. Ich schaue auf die Füße.“

Wenn Anna Berger einen neuen Sturzpatienten zum ersten Mal in ihrem Behandlungsraum empfängt, bittet sie ihn nicht, sich hinzusetzen. Sie bittet ihn, die Schuhe auszuziehen.

„Die Angehörigen denken fast immer, es war Pech. Ein nasser Boden. Ein Schwindelanfall. Ein dummer Zufall. Aber wenn ich mir die Füße anschaue, sehe ich immer dasselbe Bild: Zehen, die sich kaum noch bewegen. Fußsohlen hart wie ein Brett. Sprunggelenke, die keine zehn Grad Bewegung mehr haben. Waden, die sich anfühlen wie Holz.“

In 14 Jahren geriatrischer Rehabilitation hat Berger hunderte Sturzpatienten behandelt. Oberschenkelhalsbrüche, Handgelenksbrüche, Beckenbrüche. Menschen, die morgens noch selbstständig gelebt haben — und abends im Krankenhaus lagen. Menschen, die danach nie wieder ohne Hilfe gelaufen sind.

„Das Tragische ist: Die meisten dieser Stürze sind keine Unfälle. Sie sind das Ergebnis eines Prozesses, der sich über Jahre aufgebaut hat. Der Fuß wird steifer, die Wade kürzer, das Sprunggelenk unbeweglicher — und irgendwann reicht ein Bordstein.“

Berger macht eine Pause.

„Drei Zentimeter. Mehr braucht es nicht.“

Die Zahlen sind erschütternd. Aber sie sind real.

Was die Physiotherapeutin in ihrer Klinik erlebt, spiegelt sich in den Daten des Robert Koch-Instituts wider. Rund 30 Prozent aller Deutschen über 65 stürzen mindestens einmal pro Jahr. Bei Menschen über 80 steigt die Quote auf bis zu 50 Prozent in Pflegeeinrichtungen. Etwa 10 Prozent der Betroffenen stürzen innerhalb von zwölf Monaten sogar mehrfach.

Die Folgen sind verheerend: Rund 70.000 Oberschenkelhalsbrüche pro Jahr in Deutschland. Rund 20 Prozent der Betroffenen versterben innerhalb des ersten Jahres. Viele Überlebende verlieren ihre Selbstständigkeit — Rollator, Pflegestufe, Heim.

„Was mich an diesen Zahlen am meisten stört ist, dass über die Ursachen kaum gesprochen wird. Es heißt immer: Schwindel, Kreislauf, nasser Boden. Aber wenn man sich die klinischen Daten anschaut, steht da schwarz auf weiß: Verkürzte Wadenmuskeln, eingeschränkte Sprunggelenksbeweglichkeit und mangelnde Zehenkraft gehören zu den häufigsten Ursachen für Gangunsicherheit im Alter.“

Das Robert Koch-Institut fasst genau diese Beschwerden unter „Gang- und Balancestörungen“ zusammen — und stuft sie als einen der wichtigsten Risikofaktoren für Stürze bei älteren Menschen ein.

Keine seltene Diagnose. Kein Pech. Ein Mechanismus, der sich schleichend abschaltet.

Fußsohle mit markiertem Schmerzbereich und Zugrichtung der Plantarfaszie
Die Plantarfaszie verbindet Fersenbein und Zehengelenke — und verliert ohne Training ihre Elastizität.

Was im Fuß passiert, wenn er „steif“ wird

Berger erklärt das Problem ihren Patienten seit Jahren auf dieselbe Weise. Sie nimmt einen Fuß in die Hand und zeigt:

„Im Fuß gibt es einen Mechanismus, der bei jedem Schritt automatisch für Stabilität sorgt. In der Biomechanik heißt er Windlass-Mechanismus — erstmals 1954 von J.H. Hicks beschrieben, seitdem in hunderten wissenschaftlichen Arbeiten bestätigt.“

Er funktioniert so: Wenn der Fuß sich beim Gehen vom Boden abdrückt, biegen sich die Zehen nach oben. Diese Streckung spannt ein starkes Bindegewebsband an der Fußunterseite — die Plantarfaszie. Sie verbindet das Fersenbein mit den Zehengrundgelenken. Wenn sie sich spannt, zieht sie das Fußgewölbe nach oben. Der Fuß wird zu einem stabilen Hebel. Griffig. Belastbar. Reaktionsfähig.

Das passiert bei jedem gesunden Schritt automatisch.

Verkürzter Mechanismus
Faszie nicht gespannt
Windlass aktiviert
Gewölbe angehoben Faszie gespannt

Die Faszie wird erst gespannt, wenn die Zehen in Extension gehen — der Windlass-Mechanismus.

„Aber wenn diese Faszie über Jahre verkürzt — durch Bewegungsmangel, durch Schuhe, die dem Fuß keine Arbeit lassen, durch dauerhaftes Stützen von außen — dann verliert sie ihre Elastizität. Die Zehen bewegen sich nicht mehr richtig. Das Gewölbe hebt sich nicht. Der Fuß bleibt flach.“

Und dann beginnt, was Berger „die Kette“ nennt:

Das Sprunggelenk verliert Beweglichkeit, weil es die fehlende Fußstabilität kompensieren muss. Die Achillessehne verkürzt sich, weil das Gelenk nicht mehr durch seinen vollen Bewegungsradius geführt wird. Die Wadenmuskulatur — Gastrocnemius und Soleus — verhärtet, weil die verkürzte Sehne sie unter Dauerspannung hält.

Steife Fußsohlen. Steife Sprunggelenke. Verkürzte Achillessehne. Harte Waden.

„Das sind nicht vier verschiedene Probleme. Das ist eine einzige Kette. Und sie beginnt immer bei den Zehen. Immer.“

Wenn ein Fuß in diesem Zustand auf eine Unebenheit trifft — einen Bordstein, eine Türschwelle, eine Teppichkante, eine Wurzel — kann er nicht mehr ausgleichen. Das Sprunggelenk ist zu steif, um schnell genug zu reagieren. Die Zehen können nicht greifen. Der Fuß kippt.

Anatomische Darstellung des Windlass-Mechanismus im Fuß
Der Windlass-Mechanismus: Zehenextension spannt die Plantarfaszie und hebt das Fußgewölbe.

„Die Einlagen geben ein grünes Licht — aber der Mechanismus ist aus“

In Deutschland tragen schätzungsweise 12 Millionen Menschen orthopädische Einlagen. Eines der am häufigsten verordneten Hilfsmittel überhaupt.

Berger sieht das zunehmend kritisch.

„Einlagen stützen das Fußgewölbe von außen. Ja, das lindert oft Schmerzen. Aber über den Preis spricht niemand: Ein Fuß, der dauerhaft von außen gestützt wird, verlernt seine eigene Arbeit. Die Muskulatur, die das Gewölbe halten sollte, wird weniger beansprucht. Die Plantarfaszie wird nicht mehr trainiert. Der Windlass-Mechanismus wird weniger aktiviert.“

Je länger Einlagen getragen werden, ohne dass der eigene Mechanismus parallel trainiert wird, desto abhängiger wird der Fuß.

„Die Schmerzen werden weniger. Aber die Füße werden steifer. Die Einlage gibt dem Fuß das Gefühl, dass alles in Ordnung ist — wie ein grünes Licht in den Schuhen. Aber der Mechanismus dahinter schaltet sich weiter ab.“

Auch die Standardbehandlung in der Physiotherapie greife zu kurz, sagt Berger. Wadendehnungen an der Wand, Faszienrolle unter dem Fuß, Zehenkreisen — sinnvolle Übungen, aber keine davon aktiviere den Windlass-Mechanismus direkt.

„Keine bringt gleichzeitig alle Zehen in Extension und das Sprunggelenk in Dorsalflexion. Aber genau diese Kombination braucht man. Die Forschung zeigt das seit über zwanzig Jahren. Trotzdem wird es in der Praxis kaum umgesetzt.“
Anatomische Darstellung mit Beschriftung der Fußstrukturen
Plantarfaszie, Achillessehne, Sprunggelenk — eine Kette, die am Zeh beginnt.

Die Studie, auf die sich Berger stützt

Wenn Berger erklärt, warum sie heute anders arbeitet als am Anfang ihrer Karriere, verweist sie auf eine Studie aus dem Jahr 2003 — veröffentlicht im Journal of Bone and Joint Surgery, einem der angesehensten orthopädischen Fachjournale weltweit.

Benedict DiGiovanni und Kollegen verglichen zwei Gruppen über acht Wochen: klassische Wadendehnung gegen gezielte Zehenextension, bei der die Zehen aktiv in Streckung gebracht werden — was die Plantarfaszie direkt dehnt und den Windlass-Mechanismus aktiviert.

Das Ergebnis war eindeutig: Die Zehenextensions-Gruppe schnitt signifikant besser ab. Eine Folgestudie bestätigte die Ergebnisse über zwei Jahre. Beide Arbeiten wurden bis heute über 1.100 Mal zitiert.

Studie · 2003

DiGiovanni et al. verglichen Wadendehnung mit gezielter Zehenextension bei chronischen Fersenschmerzen. Die Zehenextensions-Gruppe zeigte signifikant bessere Ergebnisse — bestätigt in einer Zwei-Jahres-Folgestudie. Über 1.100 Zitationen.

Journal of Bone and Joint Surgery, 85(7), 1270–1277.

Quelle ansehen →
„Aber hier liegt das Problem. Die Dehnung funktioniert nur, wenn alle Zehen gleichzeitig in Extension sind UND das Sprunggelenk gleichzeitig in Dorsalflexion. Das manuell durchzuführen — am eigenen Fuß, mit den eigenen Händen — ist für meine Patienten schlicht unmöglich.“

Was Berger heute empfiehlt

Auf die Frage, was sie ihren Patienten stattdessen empfiehlt, wird Berger konkret:

„Ich empfehle ein Dehngerät, das genau diese Bewegungskombination reproduziert — Zehenextension und Sprunggelenks-Dorsalflexion gleichzeitig, kontrolliert, im Stehen oder Sitzen. Ohne Bücken. Ohne fremde Hilfe.“

Das Gerät heißt StretchPro und kommt von einem deutschen Anbieter.

Fuß in Praxis-Umgebung mit sichtbarer Plantarfaszie-Dehnung
Gezielte Dehnung der Plantarfaszie — der Ansatz, den die Studie bestätigt.
„Man stellt den Fuß drauf. Die Zehen werden sanft in Extension geführt, das Sprunggelenk gleichzeitig in Dorsalflexion gebracht. In dieser Position wird die gesamte Kette angesprochen: Plantarfaszie, Achillessehne, Wadenmuskulatur, Sprunggelenk. Zehn Minuten pro Fuß, jeden Tag.

Was Berger daran überzeugt: Es ist keine passive Stütze. Es aktiviert den Mechanismus direkt — am Startpunkt, den Zehen. Genau dort, wo die Kette beginnt.

„Das ist der Unterschied zu allem, was ich vorher verschrieben habe. Es umgeht das Problem nicht. Es geht an die Ursache.Anna Berger, Physiotherapeutin

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Ältere Frau dehnt im Bett mit StretchPro
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1 Stange für beide Hände
2 Stoff liegt über den Zehen
3 Schlaufe an der Ferse
AB
Anna Berger
Leitende Physiotherapeutin · Geriatrische Rehabilitation

„Ich habe in 14 Jahren hunderte Sturzpatienten behandelt. Und in fast jedem Fall war die Ursache dieselbe: Ein Fuß, der seinen Mechanismus verloren hat. Wer das versteht, kann etwas dagegen tun. Aber man muss anfangen — bevor es zu spät ist.“

Was Bergers Patienten berichten

BM
Brigitte M., 67
Freiburg

„Acht Jahre Einlagen. Meine Füße wurden trotzdem jedes Jahr steifer. Die Fersen haben morgens gebrannt, die Waden waren hart wie Beton. Seit ich StretchPro benutze — jeden Morgen zehn Minuten — trage ich die Einlagen nur noch selten. Ich kann morgens einfach loslaufen. Meine Tochter sagt, ich laufe wieder wie früher.“

WK
Werner K., 72
Hannover

„Drei Monate Wadendehnungen beim Physiotherapeuten. Kaum Veränderung. Seit vier Wochen StretchPro — und ich spüre zum ersten Mal seit Jahren, dass sich meine Zehen wieder bewegen. Mein Sprunggelenk ist beweglicher. Auf dem Kopfsteinpflaster vor unserem Haus fühle ich mich zum ersten Mal seit Jahren sicher.“

RS
Renate S., 69
Dresden

„Nach meinem Sturz letztes Jahr hatte ich Angst vor jedem Bordstein. Mein Sprunggelenk war so steif, dass ich jeden Schritt kontrollieren musste. Seit StretchPro gehe ich wieder aufrecht. Letzte Woche habe ich den Waldweg hinter unserem Haus genommen. Über Wurzeln und unebenen Boden. Ohne Angst.“

„Warten macht es schlimmer. Und irgendwann ist es zu spät.“

„Der Windlass-Mechanismus schaltet sich nicht über Nacht ab. Es ist ein Prozess über Jahre. Weniger Barfußgehen, mehr passive Stützung, weniger Zehenarbeit. Aber die Kette kennt nur eine Richtung: kürzer, steifer, unbeweglicher.“

Ab einem bestimmten Punkt, sagt Berger, wird der Prozess schwer umkehrbar. Die Faszie verkalkt. Die Gelenkkapseln schrumpfen. Die Sehnen verlieren ihre Elastizität dauerhaft.

„Und das ist noch nicht das Schlimmste.“

Berger wird ernst.

„Worüber niemand spricht: Es geht nicht nur um den Bruch. Ein Oberschenkelhalsbruch ist schlimm genug — 20 Prozent überleben das erste Jahr nicht. Aber was passiert, wenn jemand nicht auf die Hüfte fällt, sondern nach vorne? Wenn der Kopf auf die Bordsteinkante trifft? Auf die Treppenstufe? Auf den Fliesenboden im Bad?“

Berger hat solche Fälle gesehen. Schädel-Hirn-Traumata. Hirnblutungen. Fälle, bei denen ein Sturz von drei Zentimetern Höhe das Leben einer Familie für immer verändert hat.

„Ein Oberschenkelhalsbruch ist eine Statistik. Ein Kopfaufprall ist eine Katastrophe. Und beides beginnt mit einem Fuß, der nicht mehr greifen konnte.“

Die Forschung zeigt: Der Windlass-Mechanismus ist reaktivierbar. Aber nur, solange die Strukturen noch elastisch genug sind, um auf Training zu reagieren.

„Nicht irgendwann. Jetzt. Bevor die nächste Bordsteinkante kommt. Und bevor es die falsche Richtung ist.“
Röntgenaufnahme eines Fußes mit rot markierter Faszie
Röntgenaufnahme: Die Plantarfaszie — das Bindegewebsband, das den Windlass-Mechanismus antreibt.
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Wenn Sie sich wiedererkennen

„Und wenn Sie seit Jahren Einlagen tragen und es wird nicht besser. Wenn Ihre Waden steif sind, egal was Sie versuchen. Wenn Ihr Sprunggelenk kaum noch Bewegung hat. Wenn Sie Angst haben zu stürzen — oder schon gestürzt sind.“

Dann handeln Sie jetzt

„Dann ist Ihr Mechanismus mit hoher Wahrscheinlichkeit eingeschränkt. Und dann sollten Sie etwas dagegen tun.

P.S. — Ihre Füße sind nicht alt. Der Mechanismus schläft nur. Es ist Zeit, ihn aufzuwecken. Jetzt StretchPro ansehen →